Wir haben "Same Same Sun – Mit dem Fahrrad durch Afrika" von Wiebke Lühmann im Kino gesehen. Eine Filmkritik aus der Perspektive von jemandem, der selbst bikepackt – und Filme macht.
Lahr, 28. März. Sechste Vorstellung, der Saal restlos ausverkauft. Anscheinend wurden sogar Leute an der Kasse wieder weggeschickt. Wir hatten zum Glück rechtzeitig reserviert.
Warum dieser Film?
Es war das erste Mal seit Jahren für mich im Kino. Warum ausgerechnet jetzt, ausgerechnet dieser Film? Zum einen fand ich es großartig, dass Bikepacking endlich mal wieder auf der großen Leinwand zu sehen ist. Zum anderen war ich schlicht neugierig: Kann Wiebke es schaffen, eine einjährige Reise in 82 Minuten unterzubringen – und dabei tatsächlich eine Geschichte erzählen, statt nur eine Videodiashow zu zeigen?
Mich interessierte aber nicht nur die Story, sondern auch das Handwerk dahinter. Der Schnitt, das Sounddesign – als Filmemacherin ("Taunus Tales") schaue ich da vielleicht etwas genauer hin. Und so saß ich dort, positiv gestimmt und ein bisschen stolz, dass eine Frau, vielleicht gar nicht so anders als ich, so etwas Tolles auf die Beine gestellt hat: einen Film ihrer Reise ins Kino bringen und den Saal komplett füllen.
Der Film
Der Einstieg knallt. Editor und Sounddesigner packen sofort ihre Skills aus, und mich reißt es vom ersten Moment mit. Man merkt: Die Postproduktion wurde in professionelle Hände gegeben, und das zahlt sich aus. Der Film zeigt kurz Wiebkes Leben vor der Reise, bevor es schnell auf die tatsächliche Fahrt geht. Europa im Schnelldurchlauf, dann Afrika. Tolle Aufnahmen aus Marokko, viele weitere Länder, Höhen und Tiefen der Tour – ohne übermäßig zu dramatisieren. Die Tagebucheinträge zwischendrin fand ich eine schöne Idee, auch wenn die Schriftart nicht optimal gewählt war. Die Kamera wird auch draufgehalten, wenn es ihr mal überhaupt nicht gut ging. Gleichzeitig gibt es viele Momente zum Schmunzeln. Langweilig war mir keine einzige Minute.
Das Publikum
Was mich überrascht hat: das Alter der Zuschauer*innen. Ich hatte mit einem jungen Publikum gerechnet, doch die Senior*innen machten bestimmt über die Hälfte des Saals aus. Leute unter 30? Kaum vorhanden. Lag's am Ort? Ich weiß es nicht. Aber es hat mich ins Grübeln gebracht: Wer ist eigentlich die Zielgruppe für so einen Film?
Was bleibt
Zum Nachmachen regt der Film nicht unbedingt an – und das muss er auch gar nicht.
Was Wiebke macht, ist alles andere als gewöhnlich. Aber sie inszeniert sich nicht als Heldin, sondern wirkt einfach sympathisch und nahbar –gerade für uns Frauen vielleicht nochmal mehr als irgendein männlicher Abenteurer-Typ es je könnte. Sie dachte, sie müsse alles alleine schaffen, alleine stark sein. Doch selbst im fernsten Afrika findet sie Verbindungen – nette Reisebekanntschaften wie Julien, Einheimische, die sie unterstützen. Die Welt, die der Film zeigt, ist kein feindlicher Ort – sie ist ein schöner.
Und am Ende saß ich im Kinosessel und war stolz auf diese Frau, die es trotz aller Widrigkeiten geschafft hat. Stolz, dass sie daraus ein so schönes Werk auf die Leinwand gebracht hat. Und irgendwie dankbar, durch diesen Film ein kleines Stück ihrer Reise dabei gewesen sein zu dürfen.
Same Same Sun – Mit dem Fahrrad durch Afrika läuft aktuell auf Tour durch deutsche Kinos. Termine und Tickets findet ihr auf dieser Website. Geht hin – es lohnt sich.
by BikeToui Founder Svenja Schrade
